Konfuzius

Konfuzius und sein "guter Weg"

"Kung fu-tse" oder "Kung-tzu" der weise "Meister Kung", der von 551 bis 478 v. Chr. lebte, ist in der westlichen Welt vor allem in der latinisierten Form seines Namens "Konfuzius" bekanntgeworden.
Er wurde geboren in Chüfu im damaligen fürstentum Lu als Spoß einer alten Ritterfamilie, gehörte er also zu einer gehobenen Klasse. Über sein Leben wurde folgendes berichtet:
Er hatte aus einer frühen Heirat eine Tochter und einen Sohn, welch letzteren er überlebte. 517 machte er eine Reise nach Lo-yang, von der er im folgenden Jahre zurückkehrte. Dann lebte er vierzehn Jahre lang dem "Lernen", das heißt seiner Beschäftigung mit dem chinesischen Altertum und seiner darauf gegründeten Lehrtätigkeit, die ihm bald Ansehen brachte (Wie ja in China von Alters her die geistigen Menschen in besonderer Achtung stehen). Seine Autorität und sein Ruhm waren jedoch schon zu seinen Lebzeiten außerordentlich.
Konfuzius will den Weg zur Rettung aus dem moralischen und politischen Sumpf seiner Zeit zeigen. Den Weg wohin? * Nun, zu einer anderen, besseren geistigen Haltung und damit mittelbar auch zu politisch stabilen erträglichen Zuständen. Hierbei schwebte ihm das Altertum als Vorbild vor, wie es sich ihm in der mündlichen und schriftlichen Überlieferung darstellte. Der Weg in die hellere Zukunft führt für ihn daher über die Tradition des Altertums. Das ist der "gute Weg", der leider verschüttet war und den er und seine Anhänger nun mutig beschritten. Es ist für Konfuzius der einzige mögliche und richtige Weg. Man muß also die geistige Tradition des Altetums kennen, um ihn zu finden. Die Kenntnis dieser Tradition ist der Gegenstand seines unermütlichen "Lernens"; den geistigen Inhalt des Altertums und dessen Haltung zu verstehen und ihr zu folgen. Beides aber bedeutet Charakterbildung; sie wird das wichtigste praktische Ziel des Konfuzius. Das Ergebnis seines Lernens mußte nun in die Tat umgesetzt werden; denn er war kein Theoretiker, sondern verfolgte immer praktische Ziele.
Seine Lehren haben nur den Zweck, das, was ihm als Vorbild erschien, und den Weg dorthin auch seinen Anhängern zu vermitteln. Es war kein philosophisches oder ethisches System, ein System gibt es bei ihm überhaupt nicht. Seine Lehren sind auch nie und nirgends Methaphysik und schon gar nicht eine Religion. In großartiger Beschränkung wollte er nichts weiter erreichen als seine Schüler auf den "guten Weg", d.h. den Weg der sagenhaften Herrscher des Altertums wie Yao, Shun und Yü führen. Im Vordergrund standen dabei nicht materielle, sondern ideelle Werte.

Die Weisheiten des Konfuzius

Der Gute Weg

Von der Güte

Weitere Weisheiten des Konfuzius

1. Weisheit des Konfuzius

Der Gute Weg

Tse-kung fragte: Wer ist besser, Shi oder Shang?
Der Meister sagte: Shi geht zu weit, und Shang geht nicht weit genug.
Tse-kung sagte: Dann ist Shi der Überlegene.
Der Meister sagte: Zu weit zu gehen ist ebenso schlecht,
wie nicht weit genug zu gehen.
Der Meister sagte: Wer sich nicht Gedanken über das macht,
was weit weg ist,
dem wird bald viel Schlimmeres nahe sein.
Der Meister sagte: Über das, was vorbei ist, streitet man nicht.
Das was geschehen ist, kritisiert man nicht;
das, was längst der Vergangenheit angehört,
richtet man nicht mehr.
Der Meister sagte: Das, worauf es im Leben des Menschen ankommt,
ist ehrenhafte Gesinnung.
Hat er sie nicht, kann er von Glück sagen,
wenn der damit durchkommt.
Fehler haben und sich nicht anstrengen, sie gut zu machen,
das heißt wirklich Fehler haben.
Tse-kung fragte: Wie weit geht Freundschaft?
Der Meister sagte: Sei deinen Freunden gegenüber aufrichtig und verschwiegen.
Kommst du damit nicht weiter, dann laß ab.
Bemühe dich nicht bis zur Erniedrigung.
Der Meister sagte: Es gibt einige,
mit denen man zwar gemeinsam lernen,
aber nicht auf dem Wege fortschreiten kann;
mit anderen kann man zwar gemeinsam auf dem Weg fortschreiten,
aber man kann mit ihnen nicht zusammen arbeiten;
und wieder anderen,
denen man zwar zur Seite stehen,
mit denen man sich aber nicht verständigen kann.
Es hat keinen Zweck, sich mit solchen zu beraten,
die einem anderen Weg folgen.
Der Meister sagte: Sieh genau zu, was einer will;
gib acht darauf, mit welchen Mitteln er seine Ziele verfolgt;
finde heraus, was ihm Befriedigung gibt;
kann dann des Mannes wirkliche Befähigung dir verborgen bleiben?
Der Meister sagte: Mit einem nicht vom guten Wege sprechen,
mit dem man darüber sprechen könnte, heißt,
einen Menschen ungenützt lassen.
Wer wirklich weise ist,
läßt keine Gelegenheit vorübergehen, einem Menschen von Nutzen zu sein.
Er verschwendet aber auch nie seine Worte.
Meister Kung sagte: Am höchsten stehen die,
die weise geboren sind.
Ihnen zunächst kommen diejenigen,
die durch Lernen weise werden
nach ihnen diejenigen,
die sich im Lernen schwer abmühen;
zur untersten Klasse gehören die,
die sich schwer abmühen müssen,
ohne jemals zum Lernen zu kommen.
Tse-kung fragte: Was würdest du von einem Mann halten,
den alle seine Dorfgenossen lieben?
- Der Meister sagte: Das bedeutet doch nichts. -Was würdest du von einem Mann halten,
den alle seine Dorfgenossen hassen?- Der Meister sagte: Auch das bedeutet noch nichst.
Am besten ist es, wenn die guten Leute im Dorf ihn lieben
und die schlechten ihn hassen.
Der Schüler Tse Chiang fragte, wie man mit den Menschen am bestem weiterkäme.
-Der Meister sagte: Sei zuverlässig;und stehe zu jedem deiner Worte;
sei ernst und sorgfältig in allem, was du tust.
Dann wirst du immer gut weiterkommen,
auch wenn du unter Barbaren leben müßtest.
Bist du aber unzuverlässig in dem, was du tust,
wie kannst du dann hoffen, gut weiterzukommen,
auch wenn du in deiner gewohnten Umgebung lebst?
Wo du auch bist, laß deine Grundsätze nicht außer acht.
Wenn du in deinem Wagen fährst, dann sieh sie auf dem Joch geschrieben stehen.
Dann kannst du sicher sein, daß du weiterkommst.
-Tse Chiang schrieb diesen Grundsatz auf seinen Gürtel.
Tse-kung kritisierte immer andere Leute.
-Der Meister sagte: Es ist nur gut, daß er selbst so vollkomen sit
und daß er Zeit dafür hat.
Ich ahbe dafür keine übrig.
Der Meister sprach: Nehmt einen Hügel, der fertig gehäuft ist bis auf einen letzten Korb Erde.
Bleibt es so, bedeutet das für mich Unvollkommenheit, Stillstand.
Nehmt nun den ebenen Grund, auf den erst ein einziger Korb Erde geschüttet wurde.
Macht man weiter, so nenne ich das Streben nach Vollkommenheit, Fortschritt.

2. Weisheit des Konfuzius

Von der Güte

Das chinesische Wort "jen" bedeutet das menschlich gütige, selbstlose, verständnissvolle Verhalten anderen gegenüber,
nicht aber so etwas wie christliche Nächstenliebe. In diesem Sinne ist "Güte" und "gütig" zu verstehen.
Der Meister sagte: Güte macht einen Ort schön.
Wer freie Wahl hat und es doch nicht vollzieht,
unter Gütigen zu wohnen,
wie kann man den weise nennen?
Sei nicht schnell dabei, über Güte zu reden;
wenn du sie später einmal wirklich möchtest,
könnte es sich herausstellen,
daß deine Kraft nicht dazu ausreicht.
>Der Meister sagte: Güte ist uns oft so fern.
Doch wenn wirwirklich Sehnsucht nach ihr haben,
ist sie sogleich da.
Der Meister sagte: Güte bedeutet für das Volk mehr als Wasser und Feuer.
Ich habe Menschen ihr Leben verlieren sehen,
wenn sie durch Wasser oder Feuer gegangen sind.
Aber ich habe nie gesehen,
daß einer sein Leben verlor,
als er versuchte, gütig zu sein.
Der Meister sagte: Bleibt unbeirrt auf dem guten Weg!
Haltet euch durch seine Kraft aufrecht!
Güte sei euer Halt!
Sucht Anregung in den schönen Künsten!
Der Schüler Fan Chi fragte: Was heißt Güte?
-Der Meister sagte: Im Privatleben höflich, im öffentlichen sorgfältig,
Verwandten gegenüber treu sein.
All das ist ein Grundsatz, dem du, gleichgültig wo du auch bist,
sogar bei den Barbaren im Osten oder Norden, nie untreu werden darfst.
Von dem Sprichwort: "Nur ein Gütiger versteht es, die Menschen zu lieben oder abzulehnen",
sagte der Meister: Wessen Herz auch nur ein bißchen auf Güte eingestellt ist,
wird niemand ablehnen.
Der Meister sagte: "die Fehler sind ein Teil des Menschen."
Die Fehler herauszufinden ist nur ein Mittel,
um seine Güte zu erkennen.
Wer wirklich gütig ist, kann nie unglücklich sein;
wer wirklich weise ist, kann nie verwirrt werden;
wer wirklich tapfer ist,
fürchtet sich nie.
Der Meister sagte: Wie kann man von jemand sagen,
er sei wirklich von Liebe erfüllt, wenn er diejenigen, die er liebt,
nicht dazu bringt, ihre Kräfte anzuspannen, um zur Güte zu gelangen?
Wie kann jemand wirklich treu genannt werden,
der davor zurückschreckt, diejenigen zu tadeln,
denen er in Treue verbunden ist?
Tse-chang fragte Meister Kung: Was heißt Güte?
-Meister Kung sagte: Wer die Fünf übrall unter dem Himmel in die Tat umsetzen könnte,
wäre gütig.
Tse-chang wollte hören, was das sei.
- Der Meister sagte: Höflichkeit, Weite des Blicks, Aufrichtigkeit, Sorgfalt, Milde.
Wer höflich ist, wird nicht ver achtet;
wer einen weiten Blick hat, gewinnt die Menge; wer aufrichtig ist, dem traut das Volk;
wer sorgfältig ist, hat in allem Erfolg;
wer milde ist, kann von Leuten Gutes erwarten.
Der Meister sagte: Wenn du mit einem gütigen Mann zusammen bist,
denke immer daran, wie du es ihm gleichtun könntest.
Bist du mit einem schlechten Menschen zusammen, sieh in dich.

Weitere Weisheiten des Konfuzius

Die Überschreitungen eines jeden Menschen entsprechen seiner Wesensart.
Dadurch daß man seine Überschreitungen sieht,
kann man einen Menschen erkennen.

Buch IV. 7

Sie, was einer wirkt,
schau, wovon er bestimmt wird,
forsche, wo er Befriedigung findet:
wie kann ein Mensch da entwischen?

Buch II. 10

Der Meister sprach:
"Es ist alles aus!
Ich habe noch keinen gesehen,
der seine eigenen Fehler sehen
und innerlich sich selbst verklagen könnte."

Buch V. 26

Wer selbst recht ist,
braucht nicht zu befehlen:
und es geht.
Wer selbst nicht recht ist,
der mag befehlen:
doch wird nicht gehorcht.

Buch XII. 6

Wenn man selbst lieber zu viel tut und wenig von anderen erwartet,
so bleibt man fern vom Groll.

Buch XV. 14

Der Edle stellt Anforderungen an sich selbst,
der Gemeine stellt Anforderungen an die andern Menschen.

Buch XV. 20

Wo alle hassen,
da muß man prüfen;
wo alle lieben,
da muß man prüfen.

Buch XV. 27

Wenn man in den Grundsätzen nicht übereinstimmt,
kann man einander keine Ratschläge geben.

Buch XV. 39

Wenn Du einen Würdigen siehst,
so denke darauf,
ihm gleich zu werden.
Wenn Du einen Unwürdigen siehst,
prüfe dich selbst in deinem Innern.

Buch IV. 17

...Hast Du Fehler,
scheue dich nicht,
sie zu verbessern.

Buch I. 8

Innerer Wert bleibt nicht verlassen;
er fidnet sicher Nachbarschaft.

Buch IV. 25

Einen Fehler haben und sich nicht bessern:
das erst heißt fehlen.

Buch XV. 29

Wer Geist hat,
hat sicher auch das rechte Wort,
aber wer Worte hat,
hat darum noch nicht notwendig Geist.

Buch XIII. 5

Wenn man liebt,
ist es dann möglich,
daß man nicht für ihn besorgt ist?

Buch XIV. 8

Lerne, als hättest dus nicht erreicht,
und dennoch fürchtend,
es zu verlieren.

Buch VIII. 17



Monika Hubl-Moussa

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