Mahatma Ghandi

Worte des Friedens für die Welt
Für einsichtige, ruhige Stunden

Die Brücke

Nachdem ich die wichtigsten Religionen,
soweit es mir möglich war,
studiert hatte, kam mir der Gedanke,
es müsse einen Hauptschlüssel geben,
der die allen Religionen zugrunde liegende Einheit erschließen könnte,
sofern es sinnvoll und notwendig ist,
eine Gemeinsamkeit zu entdecken.
Dieser Schlüssel ist Wahrheit und Gewaltlosigkeit...
Solange wir nicht diese grundlengende Einheit verwirklichen,
werden Kriege im Namen der Religionen nicht aufhören.

Aus Harijan, 13.7.1940

So bete ich für einen Christen,
daß er ein besserer Christ werde,
für einen Moslem,
daß er ein besserer Moslem werde.
Ich bin überzeugt, daß Gott einst nach dem fragen wird und heute schon nach dem fragt,
was wir sind, das heißt was wir tun,
nicht nach der Bezeichnung, die wir uns geben.
Bei ihm ist Tun alles,
Glauben ohne Tun nichts.
Bei ihm ist Tun Glauben und Glauben Tun.

Aus der Gefangenschaft

Nicht eine Einheitsreligion ist vonnöten,
sondern gegenseitige Achtung und Toleranz
der Gläubigen unterschiedlicher Religionen.
Was wir erstreben, ist nicht öde Gleichschaltung,
sondern Einheit in Verschiedenheit.
Jeder Versuch, die Traditionen zu ersticken,
die aus dem gemeinsamen Erbe stammen und von Klima und Umwelt bedingt sind,
ist nicht nur zum Scheitern verurteilt,
sondern ist ein Sakrileg.

Young India, 25.9.1924

Könnten wir die ganze Wahrheit schauen,
so wären wir nicht mehr bloß Sucher,
sondern eins mit Gott.
Aber da wir bloß Sucher sind, suchen wir weiter,
unserer Unvollkommenheit bewußt...

Ehrfrucht vor anderen Glaubensbekenntnissen
muß uns nicht blind machen für ihre Irrtürmer.
Auch vor den Mängeln unseres eigenen Glaubens
müssen wir uns in acht nehmen,
und doch dürfen wir ihm deswegen nicht den Rücken kehren
sondern müssen sie zu überwinden suchen...

Toleranz ist nicht Gleichgütigkeit gegen den eigenen Glauben,
sondern tieferes Verständnis für ihn, reinere Liebe.

SW IV, 240f

Hang zum Übertreiben,
zum Unterdrücken Verzerren der Wahrheit ist eine menschliche Schwäche.
Wir können sie überwinden,
wenn wir das Schweigen üben.

Die Wahrheit sollte der Atem unseres Lebens sein...

Wer auf der suche nach Wahrheit ist,
kann die Richtung nicht verlieren.
Schlägt er einmal einen Abweg ein,
so wird er bald stolpern
und dadurch auf den rechten Weg zurückgewiesen.

SW IV, 213.215

Ich bin mir meiner Unvollkommenheit schmerzlich bewußt,
und in dieser Erkenntnis liegt die ganze Kraft,
die mir zu Gebote steht,
denn es ist selten, daß ein Mensch seine Grenzen kennt.

Young India, 17.11.1921

Selig, die keine Gewalt anwenden

Gewaltlosigkeit war nie als Waffe der Schwachen,
sondern der tapferen Herzen gedacht.

Young India, 31.12.1931

Eine Minderheit kann auf dem Weg der Nichtgewalt mehr tun als eine Mehrheit...
Ich hatte weniger Zweifel bei der Leitung meiner Minderheit in Südafrika als hier,
wo ich eine Mehrheit zu leiten bekam.
Doch es wäre ganz falsch,
deswegen zu sagen,
Nichtgewalt sei eine Waffe der Schwachen.
Der Gebrauch von Nichtgewalt verlangt größere Tapferkeit als der von Gewalt.

Harijan, 20.3.1937

Das Schwert habe ich weggelegt,
nun bleibt mir nichts mehr,
als meinem Gegner den Becher der Liebe zu reichen.

Young India, 2.4.1931

Selig, die hungern nach Gerechtigkeit

Einen internationalen Friedensbund wird es geben,
wenn alle Völker jene Unabhängigkeit erlangt haben,
die sich an ihrer Gewaltlosigkeit bemißt.
In einer auf Gewaltlosigkeit gegründeten Gesellschaft wird sich
die kleinste Nation so groß fühlen wie die größte.
Die Kategorien Überlegenheit und Unterlegenheit werden außer Kraft gesetzt sein.

Harijan 11.2.1939

Ein Wahrheitssuchender gibt sich keiner Zukunftssorge hin...
Wir sollten Gott zutrauen,
daß er uns unser tägliches Brot gibt,
nämlich all das, was wir nötig haben...
Weil dies mißachtet wure,
kam es zu jener Ungleichheit unter den Menschen,
die soviel Elend gebracht hat.
Die Reichen halten sich überflüssige Vorräte an Dingen,
die sie nicht brauchen,
während Millionen am Rande des Verhungerns leben.
Würde jeder seinen Besitz auf das einschränken, was er braucht,
so müßte niemand in Not leben,
und alle wären zufrieden.
So aber sind die Reichen nicht minder unzufrieden als die Armen.

SW IV, 229f.

Selig, die reinen Herzens sind

Das Gesetz der Liebe wird wirken,
wie das Gesetz der Schwerkraft wirken wird,
ob wir es anerkennen oder nicht...
Die Kraft der Gewaltlosigkeit ist unendlich wunderbarer
und feiner als die materiellen Naturkräfte...
Je mehr ich mit diesem Gesetz wirke,
um so mehr empfinde ich Wonne im Leben,
im Entwurf des Universums.
Es schenkt mir einen Frieden
und eine Schau in die Geheimnisse der Natur,
wie ich es nicht beschreiben.

Nationīs Voice

Wir haben die Plicht,
stets die Folgen unserer Handlungen zu bedenken.

Navajivan 5.6.1924

Das Licht in mir ist beständig und klar.
Es gibt keine Rettung für irgendeinen von uns außer
durch Wahrheit und Gewaltlosigkeit.
Ich weiß,
daß der Krieg schlecht ist,
ein Ur-Böses.
Ich glaube bestimmt,
daß Freiheit, die durch Blutvergießen oder Betrug erlangt wird,
keine Freiheit ist.

Young India, 13.9.1928

In Gewissensfragen gilt das Gesetz der Mehrheit nicht.

Young India, 4.8.1920

Das härteste Herz und die grobschlächtigste Unwissenheit
müssen zurückweichen vor der aufgehenden Sonne eines Leidens,
das ohne Zorn und ohne Arg ist.

Young India, 19.2.1925

Die Macht der Liebe und des Mitleids
ist unendlich stärker als die Macht der Waffen.

Hind Swaraj, 1946

Bevor ein Kind mit dem Alphabet und anderem Wissen
von der Welt befaßt wird,
sollte es lernen, was die Seele ist,
was Wahrheit und Liebe sind,
welche Kräfte in der Seele schlummern.
Wesentlicher Teil der Bildung müßte sein,
daß das Kind unterwiesen wird,
wie man im Lebenskampf Haß durch Liebe,
Unwahrheit durch Wahrheit,
Gewalt durch eigenes Leiden besiegt.

Gewaltlosigkeit ist für mich nicht nur ein philosophisches Prinzip.
Sie ist das Gesetz und der Atem meines Lebens.
Ich weiß, ich mache vieles falsch,
manchmal bewußt, öfter unbewußt.
Das ist nicht Sache des Verstandes,
sondern des Herzens.

Young India, 13.9.1928



Monika Hubl-Moussa

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