Novalis

Novalis (Friedrich von Hardenberg, 1772-1801), ist der bedeutendste frühromantische Lyriker und Erzähler.
Eine erste Sammlung, "Blütenstaub", erscheint 1798.
Aphorismen kommen erst postum 1846 heraus. Seine Aufzeichnungen, Fragmente und Studien sowie die Vorarbeiten zu verschiedenen Fragmentsammlungen im (gedruckten) Nachlaß sind so zahl- wie gedankenreich.

Aphorismen

Ganz begreifen werden wir uns nie,
aber wir werden und können uns weit mehr als begreifen.

Jeder geliebte Gegenstand
ist der Mittelpunkt eines Paradieses.

Menschenlehre.-
Ein Kind ist eine sichtbar gewordenen Liebe.
wir selbst sind eine sichtbar gewordener Keim der Liebe
zwischen Natur und Geist und Kunst.

Zukunftslehre des Lebens.-
Unser Leben ist kein Traum -
aber es soll und wird vielleicht einer werden.

Die Philosophie ist eigentlich Heimweh -
Trieb überall zu Hause zu sein.

Wir suchen überall das Unbedingte
und finden immer nur Dinge.

Alles was wir erfahren,
ist eine Mitteilung.
So ist die Welt in der Tat eine Mitteilung-
Offenbarung des Geistes.
Die Zeit ist nicht mehr,
wo der Geist Gottes verständlich war.
Der Sinn der Welt ist verloren gegangen.
Wir sind beim Buchstaben stehen geblieben.
Wir haben das Erscheindende
über den Erscheinungen verloren.

Es sind nicht die bunten Farben,
die lustigen Töne und die warme Luft,
die uns im Frühgling so begeistern.
Es ist der stille weissagende Geist
unendlicher Hoffnungen...

Wir sind mit dem Unsichtbaren näher
als mit dem Sichtbaren verbunden.

Mensch werden ist eine Kunst.

Die Liebe ist der Endzweck
der Weltgesschichte-
das Eine des Universums.

Könntest du nur sehen,
wie du mir erscheinst,
welches wunderbare Bild
deine Gestalt durchdringt
und mir überall entgegenleuchtet,
du würdest kein Alter fürchten...

Was man liebt,
findet man überall und
sieht überall Ähnlichkeiten.
Je größer die Liebe,
desto weiter und mannigfaltiger
diese ähnliche Welt.

Ein Kind
ist eine sichtbare gewordene LIebe.-
Wir selbst sind
ein sichtbar gewordener Keim der Liebe
zwischen Natur
und Geist oder Kunst.

Je mehr man lernt,
nicht mehr in Augenblicken,
sondern in Jahren usw. zu leben,
desto edler wird man.
die hastige Unruh,
das kleinliche Treiben des Geistes,
geht in große, ruhige einfache
und viel umfassende Tätigkeit über,
und die herrliche Geduld findet sich ein.

Das Herz ist der Schlüssel
der Welt
des Lebens.

Alle Zufälle unseres Lebens
sind Materialien,
aus denen wir machen können,
was wir wollen.
Wer viel Geist hat,
macht viel aus seinem Leben.

Alles Sichtbare haftet am Unsichtbaren-
Das Hörbare am Unhörbaren-
Das Fühlen am Unfühlbaren.
Vielleicht das Denken am Undenkbaren.

Der Sitz der Seele ist da,
wo sich Innenwelt
und Außenwelt berühren.
Wo sie sich durchdringen,
ist er in jedem Punkt
der Durchdringung.



Monika Hubl-Moussa

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